Palais Schottenring
Wien |Öffentlich
Projektbeschreibung
Im Palais Schottenring gibt die historische Architektur den Rahmen für jede lichtplanerische Intervention vor. Ornamentierte Decken, klare Raumachsen und geometrische Gliederungen bleiben bestimmend, während das Licht auf ihre jeweilige Ordnung mit unterschiedlichen Formen der Integration reagiert.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieses Prinzip an der großflächigen Glasdecke. Die Lichttechnik verschwindet hinter den ornamentierten Feldern und lässt die Deckenfläche selbst zum Lichtträger werden. Dunkle Rahmen bewahren dabei ihren Rhythmus und halten die architektonische Struktur klar ablesbar.
In den angrenzenden historischen Räumen darf Licht dagegen als Objekt sichtbar werden. Auf elementare Formen reduzierte Pendelleuchten greifen Achsen und vorhandene Geometrien auf, ohne mit der ornamentalen Vielfalt des Bestands zu konkurrieren.
So wechseln verborgene und sichtbare Lichtquellen ihre Rolle innerhalb derselben Architektur. Entscheidend ist nicht eine wiederkehrende Leuchtenform, sondern die Beziehung zum jeweiligen Raum: Licht tritt dort zurück, wo die Architektur selbst wirken kann, und wird dort sichtbar, wo es ihre Ordnung präzise weiterführt.
Projektinformationen
Architekturtyp: Historisches Palais mit ornamentierten Decken, ausgeprägten Raumachsen, geometrischen Gliederungen und repräsentativen Erschließungs- und Aufenthaltsbereichen.
Lichtkonzept & Planungsansatz: Die Lichtplanung orientiert sich an der vorhandenen architektonischen Ordnung und reagiert je nach Raumsituation mit unterschiedlich starker Präsenz. Hinter der ornamentierten Glasdecke tritt die Lichttechnik vollständig zurück, während reduzierte Pendelleuchten in angrenzenden Räumen Achsen und vorhandene Geometrien aufgreifen.
Leuchtenintegration: Flächig integrierte Beleuchtung hinter der ornamentierten Glasdecke, ergänzt durch kugelförmige Pendelleuchten entlang historischer Raumachsen sowie eine ringförmige Pendelleuchte, die vorhandene Kreisgeometrien im Raum aufnimmt.
Raumwirkung: Die historische Architektur bleibt klar ablesbar und wird durch unterschiedliche Lichtstrategien differenziert unterstützt. Leuchtende Flächen, reduzierte Lichtobjekte und Reflexionen schaffen räumliche Tiefe, ohne die ornamentale Struktur des Bestands zu überlagern.
Fragen zur Lichtplanung in historischen Räumen
- Wie lässt sich eine ornamentierte Glasdecke beleuchten, ohne sichtbare Lichttechnik in den Vordergrund zu stellen?
Die Lichtquelle kann vollständig hinter der Deckenstruktur integriert werden, sodass nicht die Leuchte, sondern die Fläche selbst als Lichtträger wahrgenommen wird. Bei diesem Projekt bleiben die dunklen Rahmen zwischen den beleuchteten Feldern sichtbar und erhalten dadurch Rhythmus und geometrische Gliederung der Decke.
- Wie kann eine großflächige hinterleuchtete Decke als zusammenhängende Lichtfläche wirken und dennoch ihre architektonische Gliederung behalten?
Die Beleuchtung muss über die einzelnen Deckenfelder hinweg eine zusammenhängende Lichtwirkung erzeugen, ohne die konstruktive Ordnung visuell aufzulösen. Im Palais Schottenring bleiben die dunklen Rahmen klar ablesbar und strukturieren die leuchtenden Flächen zu einem rhythmischen geometrischen Raster.
- Welche Funktion können Pendelleuchten in langen historischen Raumachsen übernehmen?
Wiederkehrende Pendelleuchten können Bewegungsrichtungen und perspektivische Tiefe unterstützen. Bei diesem Projekt markieren kugelförmige Leuchten zentrale Punkte innerhalb der Raumfolge und begleiten den Blick durch die historischen Durchgänge.
- Wie können moderne Leuchten vorhandene geometrische Formen einer historischen Decke aufnehmen?
Zeitgenössische Leuchten können geometrische Motive des Bestands aufgreifen, ohne sie zu imitieren. Bei diesem Projekt führt eine ringförmige Pendelleuchte die kreisförmige Geometrie des darüberliegenden Deckenfeldes als reduziertes Lichtobjekt im Raum weiter.
- Welche Rolle spielen Reflexionen bei der Lichtplanung mit Glas und polierten Oberflächen?
Glasflächen und polierter Stein nehmen Lichtquellen und helle Architekturflächen auf und erzeugen zusätzliche visuelle Ebenen im Raum. Eine abgestimmte Lichtplanung berücksichtigt diese Reflexionen, damit sie räumliche Tiefe unterstützen, ohne die Wahrnehmung der historischen Architektur zu überlagern.
- Warum werden in historischen Räumen unterschiedliche Formen der Lichtintegration eingesetzt?
Nicht jeder Raum verlangt dieselbe Präsenz der Leuchte. Bei diesem Projekt verschwindet die Lichttechnik dort, wo die Architektur selbst im Vordergrund steht, während sichtbare Pendelleuchten dort eingesetzt werden, wo sie Achsen, Geometrien oder räumliche Beziehungen präzise weiterführen.





